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Kommentar zum phonologischen Register der standardsprachlichen Vergleichskarten

Verfasser: Alfred Lameli

Bearbeitungsstand: 11.08.2008

1. Vorbemerkung

Mit dem „Digitalen Wenker-Atlas“ wurde eine erstmalige Publikation der historischen Sprachkarten aus dem Bestand des „Sprachatlas des deutschen Reichs“ bewerkstelligt (vgl. Kehrein/Lameli/Nickel 2006). Ausgehend vom primären Projektziel handelt es sich um eine digitale Edition von 576 thematischen, in der Regel dreiteiligen Sprachkarten. Kartenthema ist entweder ein Einzelwort (z.B. Karte 143[1] ich ), ein Laut (z.B. Karte 506 f in Dorf ), ein Formelement (z.B. Karte 315 ge- in getan ), eine weder silben- noch morphemäquivalente Lautgruppe (z.B. Karte 30 Of- in Ofen), eine Kombination verschiedener Laut- und Formelemente (z.B. Karte 254 Kl- und -er in Kleider ) oder ein dialektales Sonderphänomen (z.B. Karte 396 konsonantischer Anlaut in euch[2] ). Da nicht alle Lautelemente der Erhebungswörter aufgenommen sind, ist eine Wortliste als Suchinstrument nicht hinreichend. Der Nutzer kann nicht wissen, ob der interessierende Laut der Erhebung auch tatsächlich als Kartenthema bearbeitet ist.[3] Für den Kartennutzer ergeben sich aus linguistischer Sicht dennoch vielfältige Zugangsmöglichkeiten, die aber in der Fülle der Informationen und vor allem in der Unterschiedlichkeit der Informationstypen verborgen bleiben. Um das Material weitreichend analysieren zu können, wurde die Sammlung der Kartenoriginale im Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas nach Maßgabe des mittelhochdeutschen Vokalismus sowie einzelner formenbezogener Kriterien archiviert. Diese sogenannte „Marburger Systematik“ (vgl. Wiesinger/Hethey 1965) ist inzwischen in den DiWA implementiert. Daneben hat Rabanus (2005) im Zuge der Arbeiten am DiWA ein hinsichtlich der Wenkerlemmata vollständiges morphologisches Register entwickelt, das einen Zugang aus der Warte der Standardsprache, aber auch des Mittelhochdeutschen, garantiert.

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2. Notwendigkeit

Die Uneinheitlichkeit der Laut- und Formenthemen stellt eine Registererschließung vor grundsätzliche Schwierigkeiten. Mit Bezug auf den mittelhochdeutschen Vokalismus ist eine phonetisch-phonologische Beschreibung des Stammsilbenvokalismus grundsätzlich möglich und gewinnbringend. In konsistenter Weise kaum operationalisierbar sind jedoch die oben erwähnten Fälle der Lautkombinationen und die aus heutiger Sicht als morphologisch zu bezeichnenden Kategorisierungen.[4] Welche Schwierigkeiten sich stellen können, ist mit Blick auf die Marburger Systematik erkennbar. So lassen sich z.B. in vielen Fällen morphologische Kategorisierungen vornehmen, wie etwa im oben angeführten Fall des Präfixes im Erhebungswort getan. In manchen Fällen ist dies aber wiederum nicht möglich, wie z.B. im Kartenthema Schn- auf der Grundlage des Erhebungsworts Schnee. Hier kann ein phonembezogenes Register ebenso wenig zum Erfolg führen wie ein morphologisches. Die Lösung der Marburger Systematik ist es, neben die morphologische Kategorie „Präfixe“ eine nichtmorphologische Kategorie „Anlaute“ zu stellen, in die das besagte Kartenthema aufgenommen wird. Zu welchen Problemen solch relativ unspezifische Kategorisierungen und Zuweisungen führen können, wird gerade an der Anlautkategorie besonders deutlich. So findet sich hier z.B. das Kartenthema t aus dem Erhebungswort getan. Diese Zuordnung ist offensichtlich durch den sprachhistorischen Status als Wurzelverb motiviert. Ähnlich verhält es sich beim Kartenthema ern im Wort gestern, das der Kategorie „- en (Stammausgang)“ zugeordnet ist. Diese Entscheidung mag mit ahd. gësteren ( < gësteron ) in Zusammenhang stehen, das sich nach Lexer (1992) als Nebenform zu mhd. gëster belegen lässt.[5] An den sprachhistorisch nicht weiter spezialisierten Nutzer – für den die Marburger Systematik allerdings auch nicht gedacht war – stellt dieser Zugang mitunter erhebliche, wenn nicht kaum lösbare Anforderungen.

Eine weitere Schwierigkeit der Marburger Systematik ist ihre Vokalismusorientierung. So besteht etwa im genannten Beispiel das Problem, dass der Nutzer auf das Erhebungswort gestern in exakt zwei Kategorien stößt. Erstens in der erwähnten Kategorie „-en (Stammausgang)“. Zweitens in der Kategorie „mhd. ë “. Eine Suche nach dem mittelhochdeutschen Lautsystem wird derjenige anstrengen, der sich für die vokalischen Realisationen des Erhebungswortes interessiert. Derjenige, der sich jedoch z.B. für die Verbreitung palatalisierter Varianten von mhd./nhd. st interessiert, erhält keine explizite Möglichkeit zur Suche und stößt auf die Karte nur über diesen Eintrag in der Kategorie „mhd. ë “. Der Benutzer verfährt hier also besser mit einer Liste der kartierten Lemmata, die er freilich kursorisch nach den ihn interessierenden Konsonantenphänomenen durchsuchen muss. Vor diesem Hintergrund besteht die Notwendigkeit einer umfassenden Erschließungsmöglichkeit auf gesamtlautlicher Ebene.

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3. Anlage des Registers

Grundlage des hier zur Diskussion gestellten phonetisch-phonologischen Registers ist das standardsprachliche Bezugssystem. Damit soll die Marburger Systematik in ihrer historischen Dimension ergänzt sowie das schon vorhandene, im Kern an der Standardsprache orientierte morphologische Register um die lautliche Systemebene erweitert werden. Das Register basiert vorrangig auf der Kategorisierung einzelner Laute und Lauttypen unter Einbeziehung phonetisch-phonologischer sowie einfacher morphologischer Kontexte (Wort-, Silben- und Morphempositionen). Durch die hier berücksichtigten morphologischen Kontexte wird eine segmentorientierte Schnittstelle zum morphologischen Register hergestellt. Die Bezeichnung „Laut“ referiert im Wesentlichen auf den strukturalistischen Begriff des Phons, allerdings um zum Teil abstrakte Zusatz- und Nullelemente erweitert. „Lauttyp“ ist am traditionellen Phonembegriff orientiert, allerdings auch hier um die aus den Anforderungen der Kartengrundlage erwachsenen abstrakten Kategorien der Zusatz- und Nullelemente sowie – aus praktischen Erwägungen – zusätzlich um bestimmte Lautkombinationen erweitert.

Da die vorliegenden dialektologischen Daten auf dem Schriftwege ermittelt wurden und die Grundlage der Datenrepräsentation wie auch der Lemmatisierung eine primär schriftsprachliche ist, soll das Register unabhängig von der phonetisch-phonologischen Suchfunktion graphemische Suchabfragen ermöglichen. Diesbezüglich wurde für alle Laute und Lauttypen ihre graphemische Realisation in den Lemmata der Wenkerkarten ermittelt und ausgewiesen. Eine weitere Zusatzfunktion ist in einer inhaltlichen Suchabfrage nach sekundären Karteninformationen zu den einzelnen auf den Wenkerkarten thematisierten Systemebenen zu sehen (Lautung, Formenebene, Lexik).
Nachfolgend wird mit der an die Erfordernisse der Wenkerkarten angepassten Laut- und Graphemklassifikation die Basis des Registers beschrieben. Anschließend werden die möglichen Funktionen und Festlegungen des eigentlichen Suchsystems erläutert.[6]

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3.1 Lautklassifikation

Die Klassifikation dient als Vorstufe des eigentlichen Suchsystems. Um eine Suchabfrage nach phonetisch-phonologischen Kriterien zu ermöglichen, muss jeder Laut zunächst in seinen artikulatorischen Eigenschaften definiert sein. Die zu klassifizierenden Elemente entstammen dem standardsprachlichen Lautsystem, sofern sie für die Lemmata der Wenkerkarten relevant sind [7]. In einem ersten Schritt wurde eine Aufteilung in die Lautklassen „Vokal“ und „Konsonant“ vorgenommen. Des Weiteren wurden nach den Erfordernissen der Wenkerkarten zusätzliche Elemente definiert. Dies ist notwendig, um etwa bestimmte Lautfolgen (z.B. Präfix ge-, Suffix be-) oder phonetisch-phonologische Besonderheiten (z.B. silbische Konsonanten r, l) identifizieren zu können sowie spezielle Kartenthemen, die ihr Bezugssystem nicht in der Standardsprache, sondern in den Dialekten des Deutschen finden, in das Suchsystem integrieren zu können. Um in der Suchabfrage die Position der Wortgrenzen erkennen zu können, wurde zusätzlich eine Nullmarkierung definiert. Damit ergibt sich eine Einteilung in die Klassen

  • Vokal
  • Konsonant
  • Silbe
  • Zusatzelement
  • Nullmarkierung

Auf einer ersten, sehr allgemeinen Ebene ist eine Suchabfrage nach diesen Kategorien ermöglicht.

Hinsichtlich ihrer artikulatorischen Parameter gilt es bei den Vokalen und Konsonanten, die späteren phonotaktischen Suchoptionen sowie die Praktikabilität ihrer Umsetzung zu berücksichtigen. Letzteres deutete sich bereits mit der Definition der Zusatz- und Nullelemente an. Als weiterführendes Beispiel soll hier das Phänomen der g-Spirantisierung in den Dialekten des Deutschen genommen werden.

In zahlreichen Dialekten des Deutschen ist standardsprachliches /g/ komplementär als palataler oder velarer stimmloser Frikativ realisiert ([ç] vs. [x]). Die Distribution dieser Varianten richtet sich – ähnlich der Verteilung der /ç/-Allophone im Standarddeutschen – nach der voranstehenden Vokalqualität: Nach vorderem Vokal (palatal) steht in der Regel [ç], nach hinterem Vokal (velar) steht in der Regel [x]. Um die Analyse eines solchen Phänomens zu erleichtern, müssen die relevanten lautlichen Kontextbedingen in die Suchabfrage integriert werden können. Die Suchabfrage könnte folgendermaßen angelegt sein:

>>„Suche in den Lemmata der Wenkerkarten sämtliche Belege von standardsprachlichem /g/ in Position nach velarem Vokal!“

Ein solches Suchanliegen erfordert:

  1. eine Definition der Sucheinheit „/g/“ als phonologische Größe
  2. eine Markierung linearer Lautpositionen
  3. eine erweiterte Definition der Sucheinheit "Vokal" nach den artikulatorischen Parametern „velar“ und „uvular“
  4. eine Definition der segmentell-phonetischen Parameter der möglichen Suchergebnisse, d.h. der jeweiligen Kartenlemmata

Während bei diesem Beispiel ein Interesse besteht, das über phonotaktische und somit phonologische Informationen bedient werden kann, so sind aber auch Suchanfragen erwartbar, die rein artikulatorisch zu beantworten sind. Dies ist insofern schwierig, da die Datengrundlage wie erwähnt auf schriftlichen Zeugnissen basiert. Es sind daher die artikulatorischen Parameter nach möglichen graphematischen Realisationen zu definieren. Das hat zur Folge, dass etwa ein Laut [k] – unabhängig phonologischer Erwägungen – als <k> ( Kind ), <ck> ( blickchen ), <ch> ( wachsen ) und <g> ( sag ) zu definieren ist. Eine mögliche Suchanfrage, die also etwa auf die Realisation des standardsprachlichen Lautes [k] in den Dialekten des Untersuchungsgebietes abzielt, wird somit solche Kartenlemmata als Ergebnis aufführen, in denen der Laut enthalten ist.

Die beiden Beispiele verdeutlichen die grundlegenden Anforderungen an ein effizientes Registersystem. Da allerdings eine vollständige Analyse aller strukturell bedeutsamen Dialektspezifika des Deutschen für ein solches Vorhaben unmöglich ist, dennoch aber dem Benutzer eine breite Bearbeitung ermöglicht werden soll, muss das Register so detailliert wie möglich gestaltet werden. Im Gegensatz zu den prototypisch rekonstruierten historischen Sprachstufen des Deutschen ist die Standardsprache in ihren phonetisch-phonologischen Eigenarten relativ klar zu fassen. Insofern ist es die Absicht, auf der Grundlage des standardsprachlichen Bezugssystems, ein möglichst umfassendes Suchinstrument zu schaffen, das die in Entwicklung begriffenen historischen Register um die Definition eingehender artikulatorischer und phonotaktischer Suchmöglichkeiten entlastet.

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3.1.1 Lautklasse "Vokal"

Als vokalische Elemente begegnen in den Wenkerkarten sowohl Kurzmonophthonge als auch Langmonophthonge, Diphthonge und Schwalaute. Hinsichtlich ihrer Phonation wurden sämtliche Vokale als [+stimmhaft] klassifiziert, was banal erscheint, aber notwendig ist, um sie in einer Suchabfrage nach Lauten in stimmhafter Umgebung miteinbeziehen zu können. Als Artikulationsort wurde – entsprechend der Terminologie der traditionellen dialektologischen Arbeiten – eine Aufteilung in

  • palatal
  • velar

vorgenommen. Dies führt überwiegend zu Doppeleinträgen in der Kategorie der horizontalen Zungenlage, die mit den Positionen

  • vorne
  • zentral
  • hinten

dreistufig besetzt wird. Für den Benutzer ergibt sich daraus der Vorteil der kombinierten Suchabfrage von Vokalen und Konsonanten im Rahmen phonotaktischer Interessen. Zugleich kann die Terminologie der traditionellen Dialektarbeiten, die einen Großteil des gegenwärtigen Forschungsstandes ausmachen, für die jeweils eigene Analyse genutzt werden.

Indem vertikal ein sechsstufiges Vokalsystem angesetzt wurde, folgt das Register einem Vorschlag Veiths (KDSA 1995, S. XIV). Diese Einteilung bietet den Vorteil, dass die teilweise in leicht zentraler Position stehenden Kurzvokale klarer definiert werden können, als dies etwa nach der Klassifikation der IPA möglich ist. Hinsichtlich der Lippenrundung wurden die Kategorien „rund“ und „gespreizt“ angesetzt. Damit ergibt sich für die Standardsprache folgende Aufteilung für Kurz- und Langmonophthonge (gerundete Positionen sind schattiert):

Vokale
Abb. 1: Klassifikation der Kurz- und Langmonophthonge im DiWA-Register

Hinter diesen Lautzeichen verbergen sich in den Wenkerlemmata die in der nachfolgenden Darstellung zugeordneten Schreibvarianten (vgl. auch KDSA 1995, S. XIII).

  Kurzmonophthonge Langmonophthonge
[-geschlossen]           ih ü, üh     u
[+geschlossen] i ü     u          
[-zentral]           e, ee, eh ö, öh     o, oh
zentral     e              
[+zentral] e, ä ö   o ä, äh        
tief     a         ah    
Abb. 2: Schreibvarianten der Kurz- und Langmonophthonge im DiWA-Register

Für das Standarddeutsche gilt allgemein ein Vokaldreieck mit /a/ in zentraler Zungenlage (Kohler 1995, S. 170). Hingegen ist in den Regionalsprachen ein Vokaltrapez mit unterschiedlichen /a/-Qualitäten anzusetzen. Da das Register auf der Basis des Standarddeutschen erstellt wurde, ist /a/ horizontal in zentraler Position ausgewiesen. Da sich jedoch /a/ bei den Phänomenen, die an velare und palatale Vokalqualitäten in der Regel analog zu den velaren Vokalen verhält – vgl. im Standarddeutschen die Verteilung von ich- und ach-Laut – wird /a/ im vorliegenden Register zusätzlich eine velare Qualität ausgewiesen. In einer Suchabfrage nach Wenkerlemmata, die Laute in velarer Umgebung führen, erscheinen folglich auch die /a/-haltigen Kartenlemmata.

Zusätzlich führt das Register die standardsprachlichen Diphthonge /ai/, /oi/ und /au/. /oiɐ/ (z.B. in „euer“, „Mäuerchen“), das Veith als Triphthong führt (KDSA 1995, S. XIV), wird vorliegend als Lautkombination aus Diphthong und Monophthong bzw. Diphthong und den Segmenten /ər/ behandelt.[8] Dieser Status wird phonologisch über die eingebundene Silbengrenze begründet, die eine bisyllabische Verteilung der Segmente motiviert.

Damit ist zugleich auf die Problematik der Schwa-Laute verwiesen. Schwa wird hier als Laut mit neutraler vertikaler Zungenstellung in zentraler bis tendenziell geöffneter vertikaler Zungenlage definiert. Darunter fallen Zentral- als auch v.a. in Kombination mit /r/ auftretendes Tiefschwa. Auslautendes Schwa wird im Register generell angegeben, was vor allem in Position vor /r/ von Wichtigkeit ist: „Bruder“ segmentiert als /bru:dər/. Insofern wird Schwa als eigenes Phonem behandelt (vgl. z.B. das Minimalpaar „Freundin“ vs. „Freunden“), wenngleich der Phonemstatus von /r/ im Deutschen umstritten ist (vgl. Wiese 2000, S. 16 f.). Die vorliegende Konvention wurde mit Blick in die Wenkerkarten getroffen und beruht auf praktischen Erwägungen. In den Karten zeigt sich nämlich, dass die Segmentposition, die durch Schwa besetzt wird, in verschiedenen Dialekten vollvokalisch gefüllt ist (vgl. „dreschen“ vs. „dööschun“ in Karte 306). Insofern bietet sich dem Benutzer, der unter Umständen an der Realisation solcher Segmentpositionen interessiert ist, der eindeutige Verweis auf die entsprechenden Wenkerkarten. Möglich wäre auch eine Definition als /e/- oder /ε/-Allophon gewesen (vgl. Wurzel 1981, S. 926 f.), was im vorliegenden Zusammenhang jedoch zu Konflikten im Rahmen der spezifischen /e/- bzw. /ε/-Suche geführt hätte. Alternativ und zusätzlich wurde Schwa als Element eines silbischen Konsonanten definiert (s.u.).

Anzusprechen bleibt in diesem Zusammenhang ferner das Phänomen der /r/-Vokalisierung, die im Standarddeutschen klar geregelt ist (vgl. Hall 2000, S. 71). Da das Register bis auf wenige Ausnahmen von einer abstrakten standardsprachlichen Repräsentationsebene ausgeht, die Vokalisierung jedoch ein Phänomen der Sprachproduktion darstellt, bleibt sie vorliegend unberücksichtigt. Eine gewisse Kompensation erfährt diese Nichtberücksichtigung durch die Definition silbischer Konsonanten (s.u.). Einen weiter reichenden Überblick über die Klassifikation der Vokale bieten die Abb. 4 und Abb. 5 im Anhang dieses Textes (zurzeit nicht verfügbar).

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3.1.2 Lautklasse „Konsonant“

Die Konsonanten der Wenkerlemmata wurden in Obstruenten und Sonoranten klassifiziert und hinsichtlicht folgender Parameter spezifiziert:

  • Phonation
    • stimmlos
    • stimmhaft
  • Artikulationsort
    • bilabial
    • labiodental
    • alveolar
    • postalveolar
    • palatal
    • velar
    • uvular
    • glottal
  • Artikulationsart
    • explosiv
    • frikativ
    • okklusiv
    • nasal
    • lateral
    • gerollt

Als weitere konsonantische Subtypen wurden die Klassen

  • Plosiv
  • Frikativ
  • Nasal
  • Liquid
  • Affrikate

gebildet. Damit ist in Teilen eine Überschneidung mit der Kategorie des Artikulationsortes gegeben, die notwendig wird, um etwa den Typus „Liquid“ in die phonotaktische Suchabfrage integrieren zu können. Darüber hinaus bietet dieses Vorgehen eine Unterscheidungsmöglichkeit von Plosiven und als Affrikatenkomponente auftretenden frikativisch gelösten Verschlusslauten („explosiv“ vs. „okklusiv“). Folgende Konsonanten werden als standardsprachlich angesetzt (stimmhafte Laute sind schattiert):

Konsonanten
Abb. 3: Klassifikation der Konsonanten

Graphemisch wurden abhängig vom Inventar der Wenkerlemmata folgende Alternativrealisationen eingebunden: /p/ = <p, b>, /t/ = <t, d>, /k/ = <k, g, ck, ch>, /ŋ/ = <ng>, /f/ = <f, v>, /s/ = <s, ß>, /ʃ/ = <sch, s>.

Besonderheiten ergeben sich für die phonologischen Verfahrensweisen im Zusammenhang mit den /ç/-Allophonen, dem Phänomen der Auslautverhärtung, der Silbischkeit von Sonanten und der /r/-Vokalisierung. Die Vokalisierung von /r/ wurde bereits im Zusammenhang mit der Klassifikation der Vokale thematisiert (Kapitel 3.1). Die Silbischkeit von Sonanten ist Gegenstand des Kapitels 3.1.3. Für das Phänomen der Auslautverhärtung ergibt sich hinsichtlich der Lautklassifikation kein Diskussionsbedarf. Auf sie wird im Zusammenhang mit der eigentlichen Lemmasegmentierung näher eingegangen (Kapitel 3.2).

Die /ç/-Allophone wurden zunächst dem /ç/-Phonem zugeordnet, so dass sämtliche /ç/-haltigen Wenkerlemmata in einer Suchabfrage zum Phonem /ç/ erscheinen: /maxən/, /ʃtykçən/ etc. Zusätzlich wurden sämtliche velaren Allophone ausgewiesen: /maxən/ vs. /ʃtykçən/, so dass auch eine Abfrage nach diesen speziellen Allophonen möglich ist.

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3.1.3 Lautklasse „Silbe“

Als eigenständige Silben werden im Rahmen der Lautklassifikation zum einen typische Lautfolgen definiert, die in den Wenkerlemmata einer besonderen Frequenz unterliegen. Es handelt sich dabei um die Präfixe „gə-“ und „bə-“ sowie die Suffixe „-ən“ und „çən“. Damit bildet das phonetisch-phonologische Register eine Schnittstelle zum morphologischen Register, wie überhaupt eine Vielzahl morphologischer Elemente in Ergänzung zum schon vorhandenen Suchinstrument über die später noch zu beschreibende Segmentierung der Wenkerlemmata erschlossen werden können. Unter die eigenständigen Silben werden ferner die silbischen Nasale und Liquide subsumiert (m, n, l, r). In der Datenbank werden die silbischen Konsonanten aus praktischen Gründen als Lautfolge aus Schwa und Sonant geführt.

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3.1.4 Lautklasse „Nullmarkierung“

Das Register führt weiterhin eine so genannte Nullmarkierung (#), die zum Ausweis von Wortgrenzen verwendet wird und damit die Wortposition des in der Lemmasegmentierung unmittelbar voranstehenden oder nachfolgenden Lautes spezifiziert (z.B. #als#).

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3.1.5 Lautklasse „Zusatzelement“

Die Definition eines Zusatzelementes ergibt sich aus solchen Kartenthemen, die ihr Bezugssystem nicht in der Standardsprache, sondern in den Dialekten des Deutschen finden. Einen solchen Fall stellt etwa die Karte „oben“ (487) dar, die einen in den Dialekten realisierten konsonantischen Anlaut zum Thema hat.

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3.1.6 Schwa + Sonant

Von einzellautlichen Spezifizierungen abgesehen wurden in das Register alle Verbindungen mit Schwa und den Sonanten /n, m, l, r/ gesondert aufgenommen, die nicht oder nicht eindeutig als morphologisch zu kategorisieren sind. Beispielsweise kann ein Nutzer an der Realisierung von -el im Auslaut interessiert sein. Dies betrifft in der Mehrzahl der Fälle die Diminutiva des Typs -lein. Allerdings wäre das Wort „Apfel“, das ebenfalls in den Fokus gehörte, über eine morphologische Suche ausgeschlossen. Ähnlich verhält es sich bei der Suche nach -er, das weit reichend, aber nicht vollständig über grammatische Kategorien abgedeckt ist (vgl. als Gegenbeispiel „Bruder“).

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3.2 Lemmasegmentierung und phonotaktische Präzisierung

Die Lemmasegmentierung dient dem Ziel, die lineare Lautfolge des Kartenthemas relational zu bestimmen. Das grundsätzliche Suchprinzip entspricht einem dreigliedrigen Raster, mit dem jedes Erhebungswort (Kartenthema) linear überprüft wird. Im Fokus steht dabei eine sogenannte MED-Position, die das aktuell zu spezifizierende Wortsegment aufnimmt und in Relation zu den jeweiligen PRÄ- und POST-Positionen setzt. Darüber sollen einfache Silben-, Morphem- und Wortinformationen geliefert werden. Das nachfolgende Beispiel mag das Vorgehen verdeutlichen. Es handelt sich um die Segmentierung des Kartenlemmas „als“:

Thema prä med post Silbentyp Silbenposition Morphemposition
als [komp] # a l Stammsilbe Nukleus nach Morphemgrenze
als [komp] a l s Stammsilbe Koda keine Morphemgrenze
als [komp] l s # Stammsilbe Koda vor Morphemgrenze

Das Kartenthema „als“ wird demgemäß über drei Datenbankeinträge erschlossen. Durch Definition der Nullmarkierung „#“ werden die Positionen des Wortanlauts, des -inlauts und -auslauts erkennbar. Eine Suchabfrage z.B. nach wortinitialem a würde also das Wort „als“ zum Treffer haben. Zugleich werden Suchabfragen nach den jeweiligen Segmentkombinationen möglich, z.B.:

>> Suche: „a vor l
Über die Lautklassifikation der Einzelsegmente, die in der Datenbank abgelegt ist, wird aber zugleich auch eine Suchabfrage des folgenden Typs möglich:

>> Suche: „a vor Liquid“
Eine weiterreichende Suche wird durch die Füllung der Silben- und Morpheminformationen möglich. Die Datenbank garantiert somit die spezifische Suchabfrage nach bestimmten Lauten oder Lautmerkmalen in spezifischen Silbenpositionen. Als mögliche Suchoptionen wurden sowohl Silbentypen als auch Silbenpositionen angesetzt. Die Silbentypen beziehen sich auf die Position der Silbe im Wort:

  • Vorsilbe
  • Stammsilbe
  • Zwischensilbe
  • Endsilbe

Bei Komposita wird die Endsilbe des ersten Kompositionsgliedes zusätzlich als Zwischensilbe kategorisiert. Die Silbe pfel im Lemma „Apfelbäumchen“ wird also in der Suche nach Endsilben ebenso berücksichtigt wie bei der Suche nach Zwischensilben. Während die Silbentypen wortspezifisch sind, präzisiert die Silbenposition die lautlichen Elemente der Silbe in der Klassifikation nach:

  • Onset
  • Nukleus
  • Koda

Eine phonotaktische Erweiterung der Lautpräzisierung wird über die Kategorie der Wortposition möglich. Zur Auswahl stehen:

  • Anlaut
  • Inlaut
  • Auslaut

Als letzter Schritt wurde zusätzlich eine morphembezogene Bestimmung der phonetisch-phonologischen Segmente eingerichtet. Diesbezüglich stehen einer Suchabfrage folgende Kategorien zur Verfügung:

  • vor Morphemgrenze
  • nach Morphemgrenze
  • keine Morphemgrenze
  • Portmanteau

Die Portmanteau-Angabe ermöglicht damit die Suche nach Wortkontraktionen des Typs „ins“, „durchs“ etc. Die Angabe wurde stets nur für jenes Morphem angesetzt, das als zentrales Kartenthema zu gelten hat. Sie wurde auch bei grammatikalisierten Morphemen verwendet, wenn auf den Karten Hinweise auf eine Morphemtrennung gegeben sind (z.B. „am“). Die über die Lemmasegmentierung zusätzlich gewonnen Spezifizierungen sind in den folgenden Beispielen berücksichtigt:

>> Suche: „Liquid in Position der Koda“
>> Suche: „Konsonantencluster im Onset!“
>> Suche: „Plosiv in Konsonantencluster in Onset unmittelbar vor Nukleus/Vokal“
>> Suche: „gespreizte Vokale nach Morphemgrenze“
>> Suche: „Obstruenten im Wortanlaut“

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3.3 Informationstypen

Zu den Besonderheiten der Suchmöglichkeiten, die nicht unmittelbar auf das phonetisch-phonologische Anliegen, sondern vielmehr auf die Kartenthematik selbst bezogen ist, gehört die Angabe der auf den Karten enthaltenen Informationstypen. Zwar lässt sich über die von den Kartenzeichnern gefasste Definition des Kartenthemas eine Zuordnung der Karteninformation zur lautlichen oder formbezogenen Systemebene erschließen. Allerdings finden sich gerade auf den eigentlich lautlichen Karten immer wieder Informationen zu anderen Systemebenen. Ein Beispiel liegt mit der Karte „Kleid[er]“ vor, die, obwohl sie auf lautliche Phänomene hin verfasst wurde, auch lexikalische Alternationen des Typs Gewand zeigt. Vor diesem Hintergrund wurde eine inhaltsbezogene Analyse aller Wenkerkarten durchgeführt und die jeweils enthaltene Information klassifiziert und hierarchisiert. Dies führt zur Unterscheidung eines primären von einem sekundären Informationstypus, die über folgende Datenbankeinträge spezifiziert ist:

primäre Information sekundäre Information
Lautung Lautung
Formenebene Formenebene
Lexik Lexik/Formenebene
Grundkarte Lexik/Lautung
keine

Die primäre Information ordnet die auf der jeweiligen Karte erkennbaren Realisationen einer quantitativ dominierenden Systemebene zu. Der sekundäre Informationstyp gibt die darüber hinaus erkennbaren systemebenenbezogenen Einheiten an, die unter Umständen verschiedene Bereiche betreffen können (z.B. Lexik und Formenebene als sekundäre Informationen).

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Endnoten

[1] Die Kartennummern beziehen sich auf die im DiWA ersichtlichen Nummerierungen.

[2] Die Definition des Kartenthemas basiert primär auf lautlichen und erst sekundär auf formbezogenen Erwägungen wie z.B. die Karten 177 (lieb in liebes) und 178 (bes in liebes) verdeutlichen.

[3] Eine gewisse Kompensation, die allerdings das Massenproblem nicht lösen kann, stellt die im DiWA durch unterschiedliche Farbtiefe markierte Kartenthematik dar.

[4] Es ist grundlegend zu berücksichtigen, dass das Kartenmaterial in vorstrukturalistischer Zeit erstellt wurde und damit den ‚modernen’ Kategorien des Phonems und Morphems fern steht.

[5] Die Form ist im Wörterbuch von Benecke et al. (BMZ 1990) nicht verzeichnet.

[6] Es soll betont werden, dass dieser Text das maximale Potenzial des Registers nach Maßgaben der angelegten Datenbankstruktur beschreibt. Die technische Umsetzung in DiWA erfolgt sukzessive.

[7] Eine Auflistung des Inventars ergibt sich aus der nachfolgenden Beschreibung der einzelnen Lautklassen. Das maximale Suchrepertoire der Lautmerkmale ergibt sich aus der im Anhang geführten Abbildung 1.

[8] Aus Darstellungsgründen erfolgt die Text-Darstellung der phonetischen Symbole gemäß SAMPA.

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4. Literatur

BMZ 1990 = Mittelhochdeutsches Wörterbuch. Mit Benutzung des Nachlasses von Georg Friedrich Benecke ausgearbeitet von Wilhelm Müller und Friedrich Zarncke. Nachdruck der Ausgabe Leipzig 1854–1866 mit einem Vorwort und einem zusammengefaßten Quellenverzeichnis von Eberhard Nellmann sowie einem alphabetischen Index von Erwin Koller, Werner Wegstein und Norbert Richard Wolf. 4 Bde. u. Indexbd. Stuttgart: S. Hirzel. [http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/bmz/wbgui?lemid=BA00001]

Hall, Tracy Alan (2000): Phonologie. Eine Einführung. Berlin/New York: de Gruyter. (de Gruyter Studienbuch.)

KDSA 1995 = Kleiner Deutscher Sprachatlas. Bd. 2 Vokalismus. Teil 1 Kurzvokale. Dialektologisch bearbeitet von Werner H. Veith. Computativ bearbeitet von Wolfgang Putschke und Lutz Hummel. Tübingen: Niemeyer.

Kehrein, Roland / Lameli, Alfred / Nickel, Jost (2006): Möglichkeiten der computergestützten Regionalsprachenforschung am Beispiel des Digitalen Wenker-Atlas (DiWA). In: Jahrbuch für Computerphilologie 7 (2005). Hrsg. v. Braungart, G. / Gendolla, P. / Jannidis, F. Paderborn: Mentis. S. 149-170. [vgl. http://computerphilologie.uni-muenchen.de/jg05/kehrein/kehrein.html]

Kohler, Klaus J. (1995): Einführung in die Phonetik des Deutschen. 2., neubearbeitete Auflage. Berlin: Schmidt. (Grundlagen der Germanistik 20.)

Lexer, Matthias (1992): Mittelhochdeutsches Handwörterbuch. Zugleich als Supplement und alphabetischer Index zum Mittelhochdeutschen Wörterbuche von Benecke-Müller-Zarncke. Nachdruck der Ausg. Leipzig 1872–1878 mit einer Einleitung von Kurt Gärtner. 3 Bde. Stuttgart: S. Hirzel. [http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/lexer/wbgui?lemid=LA00001]

Rabanus, Stefan (2005): Kommentar zum morphologischen Register. In: Digitaler Wenker-Atlas (DiWA). Hrsg. v. Jürgen Erich Schmidt und Joachim Herrgen. Bearbeitet von Alfred Lameli / Alexandra N. Lenz / Jost Nickel und Roland Kehrein / Karl-Heinz Müller / Stefan Rabanus. Marburg: Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas. [http://www.diwa.info/DiWA/help_catalog_morph.htm]

Wiese, Richard (2000): The Phonology of German: The Phonology of the World’s Languages. Oxford: University Press. (The Phonology of the World’s Languages.)

Wiesinger, Peter / Ernst-Heinrich Hethey (1965): Kartenverzeichnis des Laut- und Formenatlasses der deutschen Mundarten. Marburg: Forschungsinstitut für deutsche Sprache.

Wurzel, Wolfgang Ullrich (1981): Phonologie: Segmentale Struktur. In: Grundzüge einer deutschen Grammatik. Von einem Autorenkollektiv unter der Leitung von Karl Erich Heidolph, Walter Flämig und Wolfgang Motsch. Berlin: Akademie-Verlag. S. 898–990.

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Kommentar zum morphologischen Register

Mit dem morphologischen Register werden die im DiWA zugänglichen Karten von Georg Wenkers "Sprachatlas des Deutschen Reichs" nach morphologischen Kriterien zugänglich gemacht. Grundlage des Registers ist eine vollständige morphologische Klassifikation der kartierten Lemmata. Unter 'morphologischer Klassifikation' wird die Beschreibung der Formen und Funktionen der auf den Karten verzeichneten Wörter und Wortbestandteile ('synthetische Symbolisierung') der Wenkersätze und der Einzelworterhebung verstanden. Die 'analytische Symbolisierung' von grammatischen Basiskonzepten durch Wortgruppen wird nicht berücksichtigt. Bezugspunkt für die Klassifikation sind die in neuhochdeutscher Standardsprache verfassten Wenkersätze in der Form, in der sie im DiWA abrufbar sind. Das Bezugssystem der Klassifikation ist dementsprechend die neuhochdeutsche Standardsprache. Bei Zweifelsfällen in Klassifikationsfragen gelten die Beschreibungen der Akademie-Grammatik (Heidolph et al. 1981), aus der auch, soweit möglich, die Definitionen der Merkmalstypen übernommen wurden. Alle Abweichungen von diesen Klassifikationsprinzipien und die sonstigen Besonderheiten werden in diesem Kommentar angegeben.

Der Zugang ist über die Merkmale von drei Gruppen möglich:
1. Ausdruck morphologischer Kategorien (z.B. Plural, Akkusativ) und Wortbildungstypen (z.B. Derivation, Komposition);
2. Symbolisierungstypen (Addition, Modulation, Suppletion);
3. paradigmatische und syntagmatische Eigenschaften der Wörter (z.B. Wortarten, Flexionsklassen).

In der ersten Gruppe wird die inhaltliche Seite der Wortformen in den Wenkersätzen angesprochen, in der zweiten Gruppe die formale. Die dritte Merkmalsgruppe behandelt Eigenschaften, die über die aktuell, in den Wenkersätzen realisierten Wortformen hinausreichen und vor allem die Zugehörigkeit zu bestimmten Paradigmatypen betreffen.

In den Suchabfragen können Werte sowohl derselben als auch unterschiedlicher Merkmalsgruppen mit einander kombiniert werden. Als 'Werte' gelten Kategorien und Subtypen ('differentia specifica', z.B. Singular, Plural), welche Kategoriengefügen und Typen ('genus proximum', z.B. Numerus) inhaltlich bestimmen. Die Kategoriengefüge und Typen sind selbst nicht suchbar. Die Bestimmungen Addition und Modulation erscheinen sowohl als 'genus proximum', wie auch als 'differentia specifica'.

Literatur

Bybee, Joan L. (1985): Morphology. A Study of the Relation Between Meaning and Form. Amsterdam: Benjamins

Eisenberg, Peter (1999): Grundriß der deutschen Grammatik. Bd. 2: Der Satz. Stuttgart/Weimar: J.B. Metzler

Harnisch, Rüdiger (1987): Natürliche generative Morphologie und Phonologie des Dialekts von Ludwigsstadt. Die Erprobung eines Grammatikmodells an einem einzelsprachlichen Gesamtsystem. Tübingen: Niemeyer (Linguistische Arbeiten; 190)

Heidolph, Karl Erich/Flämig, Walter/Motsch, Wolfgang et al. (1981): Grundzüge zu einer deutschen Grammatik. Berlin: Akademie-Verlag

Paul, Hermann (1998): Mittelhochdeutsche Grammatik. 24. Aufl., überarb. von Peter Wiehl und Siegfried Grosse. Tübingen: Niemeyer

Tiefenbach, Heinrich (1987): -chen und -lein. Überlegungen zu Problemen des sprachgeographischen Befundes und seiner sprachhistorischen Deutung. In: Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik 54, S. 2-27

Wurzel, Wolfgang U. (1984): Flexionsmorphologie und Natürlichkeit. Ein Beitrag zur morphologischen Theoriebildung. Berlin: Akademie-Verlag (studia grammatica; 21)

Verfasser: Stefan Rabanus Bearbeitungsstand: 27.05.2005
Kommentare, Korrekturen und Verbesserungsvorschläge an Stefan Rabanus

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Audruck morphologischer Kategorien und Wortbildungstypen

Im Anschluss an Wurzel (1984, S. 63) wird festgelegt, dass eine morphologische Kategorie dann vorliegt, wenn ein grammatisches Basiskonzept (z.B. Pluralität, direktes Objekt) im Flexionssystem mit morphologischen Mitteln formal distinkt symbolisiert wird. Morphologische Kategorien (z.B. Plural, Akkusativ) werden in Kategoriengefügen (z.B. Numerus, Kasus; vgl. Wurzel 1984, S. 61) zusammengefasst. Die Klassifikation berücksichtigt acht Kategoriengefüge mit jeweils entsprechenden morphologischen Kategorien. Die verbalen Kategoriengefüge Aspekt und Valenz (vgl. Heidolph 1981, S. 501-506; Bybee 1985, S. 20f.) werden nicht berücksichtigt, weil sie theoretisch umstritten sind. Alle in dieser Gruppe zugewiesenen Kategorien werden als Merkmale der Wörter behandelt, mit denen sie assoziiert sind. So sind zum Beispiel alle drei Karten zur Verbform glaube (Karte 114: Stammanlaut/Silbenonset; Karte 115: Stammvokalismus/Silbennukleus; Karte 116: Stammauslaut und Suffix) als 1. Person Singular Präsens Indikativ Aktiv gekennzeichnet. Während in der neuhochdeutschen Standardsprache bei glaube der Silbenonset und der Silbennukleus für alle Personen, Numeri, Tempora, Modi und Diathesen identisch bleiben (also nicht am Ausdruck der Kategorien partizipiert), kann eine Teilhabe dieser Segmente an der Symbolisierung der Kategorien in Dialekten prinzipiell nicht ausgeschlossen werden.

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Symbolisierungstypen

In der Merkmalsgruppe der Symbolisierungstypen wird die Art und Weise des Ausdrucks morphologischer Kategorien, der Bildung infiniter Verbformen und der Wortbildung klassifiziert. Mit Ausnahme der Subtypen der Modulation und einiger Sonderfälle der Addition (siehe unten) beziehen sich alle Klassifizierungen auf die neuhochdeutsche Standardsprache. Das ist zwar theoretisch unbefriedigend, weil es im Unterschied zu den morphologischen Kategorien, die für die Standardsprache und die Dialekte im Prinzip übereinstimmen, hinsichtlich der Symbolisierungstypen mitunter erhebliche Unterschiede zwischen Standardsprache und Dialekten gibt. So kommt z.B. im Wort fängt (Karte 39) der Umlaut in den meisten oberdeutschen Dialekten nicht vor, während umgekehrt zahlreiche Dialekte die Entsprechungen von haben (Karte 338) mit Umlaut realisieren. Bei einer Zahl von über 40.000 Ortspunkten und entsprechend vielen Ortsdialekten ist eine systematische Bestimmung der dialektalen Symbolisierungstypen aber ausgeschlossen.

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Paradigmatische und syntagmatische Eigenschaften der Wörter

In dieser Merkmalsgruppe werden die Eigenschaften zusammengefasst, die über die aktuell realisierten Wortformen hinausreichen. Damit sind Klassenzugehörigkeiten gemeint, die den Lexemen entweder inhärent sind (z.B. Wortart, nominale Flexionsklasse, verbale Ablautreihe) oder vom syntaktischen Kontext bestimmt werden (syntaktische Sonderklasse, nicht-substantivischer nominaler Flexionstyp).

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Flexionstyp
  • Konjugation
  • Deklination

Der Ausdruck der morphologischen Kategorien ist wortartenspezifisch. Ausschließlich dem verbalen Flexionstyp Konjugation zugehörig sind die Kategoriengefüge Tempus, Modus und Diathese, ausschließlich dem nominalen Flexionstyp Deklination zugehörig Kasus und Genus. Die Kongruenzkategorien der Gefüge Person und Numerus werden sowohl an Verben als auch an nominalen Wortarten symbolisiert und gehören deshalb beiden Flexionstypen an. Als unflektiert gelten neben den prinzipiell unflektierbaren Wortarten auch Adjektive in prädikativer und adverbialer Funktion, infinite Formen des Verbs sowie Substantive und Adjektive aus Einzelworterhebungen. Weil Substantivstämmen ein Genus inhärent ist, wird auch bei unflektierten Substantiven (aus Einzelworterhebungen) ein Genus angegeben, in einem Fall (Pflaumen) auch ein Numerus.

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Tempus
  • Präsens
  • Präteritum

Durch das Tempus wird ein durch das Verb ausgedrücktes Geschehen oder Sein in den Zeitablauf eingeordnet. Im Deutschen werden nur Präsens und Präteritum rein morphologisch symbolisiert. Die anderen Tempora werden morphosyntaktisch symbolisiert. Hinsichtlich des Perfekts bedeutet das, dass es keine Karten gibt, die vollständige Perfektformen verzeichnen. Die Symbolisierung des Perfekts ist ersichtlich, wenn mehrere Karten zusammen betrachtet werden. Die zu den Perfektformen gehörigen Karten sind über die Suche nach infinite Verbform/Partizip II und syntaktische Sonderklasse/Hilfsverb zu finden. Die Tempora Plusquamperfekt, Futur I und Futur II sind in den Wenkersätzen nicht enthalten.

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Marker
  • Addition
  • Modulation
  • Suppletion

Unter Markern werden die Prozesse verstanden, durch die der Ausdruck morphologischer Kategorien, die Bildung infiniter Verbformen und die Wortbildung vonstatten geht. Bei der Addition wird die phonologische Substanz der Ausgabeform gegenüber der Eingabeform um ein oder mehrere Segmente vermehrt. Bei der Modulation wird die phonologische Substanz der Ausgabeform gegenüber der Eingabeform qualitativ verändert. Bei der Suppletion treten unterschiedliche Wortstämme, zwischen denen kein formaler Zusammenhang besteht, in einem Paradigma zusammen (vgl. dazu Wurzel 1984, S, 27f. und S. 51ff.). Bei Pronomen und Artikeln ist in vielen Fällen schwer zu entscheiden, ob ein additiver Marker segmentiert werden kann oder ein suppletives Paradigma angenommen werden muss (z.B. der, den, mir, mich). In solchen Fällen werden als Markertypen sowohl Addition als auch Suppletion markiert. Addition und Modulation werden als eigene Typen weiter differenziert. Subtypen der Suppletion (z.B. starke und schwache Suppletion) werden nicht unterschieden.

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Addition
  • Präfix
  • Suffix
  • Assimilation

Bei der Addition wird die phonologische Substanz der Ausgabeform gegenüber der Eingabeform um ein oder mehrere Segmente vermehrt. Präfixe treten vor, Suffixe hinter den Wortstamm. Zirkumfixe sind nicht aufgeführt, weil Zirkumfixe (beim Partizip II) jeweils auf zwei verschiedenen Karten und somit separat als Präfix und Suffix kartiert sind. Sie sind durch die Suche nach infinite Verbform/Partizip II auffindbar. Als Assimilation wird die Verschmelzung des Stammauslauts der Präposition mit dem Artikel (Karte 2: im; Karte 198: am) verstanden. Der in Dialekten belegte Typ der Subtraktion fehlt in der Liste, weil er in der neuhochdeutschen Standardsprache nicht verwendet wird (vgl. Wurzel 1984, S. 52f.). In den Karten 126, Frau(Dativ-e), 156, Koch(Fugenelement)löffel, 264, rein(Folgesilbe), 327, laut(Folgesilbe) und 416, wieviel(Schwa-Auslaut) wird vom Prinzip der Orientierung an den Symbolisierungstypen der Standardsprache abgewichen, weil der einzige Inhalt dieser Karten in der Standardsprache nicht vorkommende morphologische Segmente ist. (In den Karten 396, 429, 478 und 558 sind in der Standardsprache nicht vorkommende, phonologisch bedingte Anlautphänomene verzeichnet.)

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Modus
  • Indikativ
  • Konjunktiv
  • Imperativ

Die Modi des Verbs symbolisieren die unterschiedliche Geltung von Äußerungen.

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Modulation
  • Ablaut
  • Umlaut
  • Rückumlaut
  • grammatischer Wechsel

Bei der Modulation wird die phonologische Substanz der Ausgabeform gegenüber der Eingabeform qualitativ verändert. Unter dem Etikett Modulation werden alle morphologisch gesteuerten Lautveränderungen des Wortstamms zusammengefasst. Zur Sicherstellung der Kompatibilität mit der dialektologischen Forschung werden in Abweichung vom sonstigen Vorgehen hier die Begriffe der historischen Grammatik verwendet. Ablaut ist ein regelmäßiger Wechsel des Stammvokals, der auf indogermanische Akzentverhältnisse zurückgeht (vgl. Paul 1998, § 28). Er wird in diesem Register ausschließlich auf die Verbalflexion bezogen. Umlaut ist ein auf partieller Assimilation beruhender regelmäßiger Wechsel des Stammvokals (vgl. Paul 1998, § 41; Heidolph 1981, S, 932-937), hier bezogen auf verbale und substantivische Wortformen mit dem gleichen Basisformativ. Mit Rückumlaut sind die Karten 13, hört, 271, gekannt und 507, gebracht bezeichnet. Der Bezeichnung liegt die unzutreffende Auffassung der älteren Forschung zugrunde, dass ein ursprünglich auch im Präteritum vorliegender Umlaut im Laufe der Sprachentwicklung zurückgenommen wurde (vgl. Paul 1998, § 262). Im Fall von hört (Karte 13) bezieht sich der Rückumlaut darüberhinaus auf eine mittelhochdeutsche Opposition (hœren/hôrte), die in der neuhochdeutschen Standardsprache nicht mehr existiert (hören/hörte). Der grammatische Wechsel bezeichnet den regelmäßigen Wechsel von Konsonanten aufgrund des Vernerschen Gesetzes (vgl. Paul 1998, § 93), hier ausschließlich im Stammsilbenauslaut von Verben. Mit Ausnahme des Paradigmas von sein (Alternanz r – s in war/gewesen) wurde er bei den in den Wenkersätzen vorkommenden Wörtern in der neuhochdeutschen Standardsprache beseitigt. In einem Wort können zwei unterschiedliche modulatorische Symbolisierungen vorkommen. So wird für die Karte 39, fängt sowohl Umlaut als auch grammatischer Wechsel (bezogen auf die mittelhochdeutsche Opposition vâhen/fienc, vgl. Paul 1998, § 93) markiert, für die Karte 430, müsst Ablaut (der Reihe VI der Präterito-Präsentia) und Umlaut.

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Diathese
  • aktiv

Mit den Kategorien der Diathese (auch als Genus des Verbs bezeichnet), ist es möglich, ein und denselben Sachverhalt aus unterschiedlicher Sicht und mit unterschiedlicher syntaktischer Struktur auszudrücken und dabei jeweils unterschiedliche Aktanten zu profilieren. Nur das Aktiv ist rein morphologisch symbolisiert. Das Passiv ist morphosyntaktisch symbolisiert, darüber hinaus nicht in den Wenkersätzen vorhanden und folglich nicht kartiert.

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Basis
  • Stamm
  • Stammbestandteil
  • Fugenelement

Unter dem Typ Basis werden die Bestandteile der Wortformen klassifiziert, die keine Affixe sind. Neben Wortstämmen sind häufig Bestandteile von Wortstämmen (z.B. Stammvokale, Silbenonset- oder Silbenkodacluster, teilweise auch in Verbindung mit Affixen) kartiert. Die Karten 156, Koch(Fugenelement)löffel und 388, Augenblickchen zeigen Fugenelemente.

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Person
  • 1.
  • 2.
  • 3.

Die Kategorien der Person repräsentieren die Beziehung zum Sprechakt (Sprecher, Angesprochener, Besprochener). Es handelt sich um Nominalkategorien, welche als Kongruenzmarker auch an Verben auftreten.

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Numerus
  • Singular
  • Plural

Die Numeri sind in erster Linie Kategorien des Substantivs und des Pronomens, während Verb, Adjektiv und Artikel, die formal an diesen Kategorien teilhaben, an ihrer semantischen Opposition nicht beteiligt sind. Bei Possessivpronomen werden zwei, ggf. unterschiedliche Numeri markiert (z.B. bei unserem; Karten 371, 372), weil die Wahl des Wortstamms in Kongruenz mit dem Antezedens erfolgt (bei unserem Plural), das Suffix aber mit dem Numerus des Substantivs übereinstimmt, dem es vorausgeht (bei unserem Singular).

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Wortart
  • Verb
  • Substantiv
  • Adjektiv
  • Pronomen
  • Artikel
  • Numeral
  • Adverb
  • Präposition
  • Konjunktion
  • Partikel

Die Festlegung der Wortart richtet sich in Zweifelsfällen (z.B. bei der Unterscheidung von Adverbien und Partikeln) nach den Einträgen in Grimms Wörterbuch.

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Kasus
  • Nominativ
  • Dativ
  • Akkusativ

Die Kasus zeigen das Vorhandensein syntaktischer Beziehungen an. Der Kasus Genitiv kommt in den Wenkersätzen nicht vor. Substantive nach Maßangaben (eine Flasche Wein, wieviel Pfund Wurst) werden ebenso wie Anredeformen (du Affe, mein liebes Kind) als Nominative klassifiziert. Die Annahme eines Vokativs im Deutschen ist morphologisch nicht begründet (Heidolph 1981, S. 582 sprechen hier vom "Anredenominativ").

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Syntaktische Sonderklasse
  • Determinativ
  • W-Wort
  • Expletivum
  • Vorfeld-es
  • Kopula
  • Hilfsverb
  • Modalverb

Mit den syntaktischen Sonderklassen wird auf syntaktische Eigenschaften der Wörter im Kontext der Wenkersätze referiert, welche Wörter verschiedener Wortarten zusammenfassen oder nur einzelne Wörter einer Wortart auszeichnen. Wortartübergreifende Klassen sind Determinativ und W-Wort. Determinative fassen die Artikel, Präpositionen, Numerale und bestimmte Pronomen zusammen; W-Wörter andere Pronomen und bestimmte Adverbien. Wortartspezifizierend sind die Klassen Expletivum und Vorfeld-es, denen bestimmte Vorkommen des Wortes es - neben seiner Funktion als Stellvertreter-Pronomen - zugeordnet werden können (vgl. Eisenberg 1999, S. 173-176), und die verbalen Klassen Kopula, Hilfsverb und Modalverb.

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Genus
  • Maskulinum
  • Femininum
  • Neutrum

Die Genera sind nominale Kategorien mit grammatisch ordnender Funktion.

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Substantivische Flexionsklasse
  • stark
  • schwach
  • unregelmäßig
  • Null

Die Einteilung der substantivischen Flexionsklassen folgt der Klassifizierung der Akademie-Grammatik nach Kasusdeklination (Heidolph et al. 1981, S. 596-599). Die Flexionsklasse wird als inhärentes Merkmal des Wortstammes aufgefasst und deshalb auch unflektierten Formen (Substantiven aus Einzelworterhebungen) zugewiesen.

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Komparation
  • Positiv
  • Komparativ

In der Komparation (auch als Graduierung bezeichnet) werden Gradunterschiede der durch Adjektive bezeichnet Eigenschaften gezeigt. Die Kategorien der Komparation bilden eine unabhängige Gruppe von Kategorien, welche nicht zur Flexion gehört. Einerseits sind die Kategorien der Komparation mit der Deklination kombinierbar (vgl. Heidolph et al. 1981, S. 627), andererseits treten sie auch aber auch bei nicht flektierten Adjektiven auf. Der Positiv bezeichnet die neutrale Grundstufe, der Komparativ setzt den Vergleich der Merkmalsbezeichnung mit Merkmalen von mindestens einem Bezugsobjekt voraus, ohne dass dieses in jedem Fall erwähnt wird. Der Superlativ bezeichnet den höchsten Grad unter den verglichenen Werten. Der Superlativ fehlt in der Liste der Kategorien, weil in den Wenkersätzen zwar ein Superlativ vorkommt (am meisten), die Form aber nicht kartiert ist.

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Verbale Flexionsklasse
  • stark
  • schwach
  • gemischt

Die verbalen Flexionsklassen werden nach dem Zusammenspiel von modulatorischen und additiven Symbolisierungen im Partizip II differenziert. Die relevanten Marker sind: [+/-Ablaut], [+/-Rückumlaut], [+/-Suffix -t]. Daraus ergibt sich: stark: [+Ablaut], [-Rückumlaut], [-Suffix -t]; schwach: [-Ablaut], [-Rückumlaut], [+Suffix -t]; gemischt: [-Ablaut], [+Rückumlaut], [+Suffix -t]. Das Wort schneien (Karten 17-19) wird wie im Mittelhochdeutschen als stark klassifiziert. Die verbalen Sonderklassen Präterito-Präsens und 'wollen' (siehe unten) bleiben wegen ihres irregulären Verhaltens in Bezug auf die verbale Flexionsklasse unbestimmt. Die Flexionsklasse wird als inhärentes Merkmal des Wortstammes aufgefasst und deshalb auch unflektierten Formen (infiniten Verbformen) zugewiesen.

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Infinite Verbform
  • Infinitiv
  • Gerund
  • Partizip I
  • Partizip II

Die Klassifikation verzeichnet die infiniten Formen des Verbs, die bei der Bildung verbaler Wortgruppen eingesetzt werden und damit dem Ausdruck morphosyntaktischer Kategorien dienen. Der Infinitiv ist die unmarkierte unter den infiniten Form. Mit Gerund werden diejenigen Infinitivformen näher bestimmt, die mit der Partikel zu an den Matrixsatz angeschlossen werden. Diese, in neueren Grammatiken nicht mehr verwendete Kategorie wird aus Gründen der Kompatibilität des Registers mit der älteren dialektologischen Forschung beibehalten. Das Partizip II tritt auch außerhalb verbaler Verbgruppen auf (hier in der Karte 92, gebrannt als Prädikativ). Das Partizip I kommt in den Wenkersätzen nicht vor.

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Verbale Sonderklase
  • j-Präsens
  • Präterito-Präsens
  • Wurzelverb (mi-Verb)
  • "haben"
  • "wollen"

Die verbalen Sonderklassen beziehen sich zur Sicherstellung der Kompatibilität mit der dialektologischen Forschung und in Abweichungen vom Prinzip der Orientierung an der neuhochdeutschen Standardsprache auf das Mittelhochdeutsche. Die j-Präsentien sind starke Verben, die mit einer j-Ableitung gebildet wurden (vgl. Paul 1998, § 254). Präterito-Präsentien "sind starke Verben, deren Präteritalform Präsensbedeutung angenommen hat und deren ursprüngl. Präsens verlorengegangen ist" (Paul 1998, § 260). Wurzelverben (auch als mi-Verben oder athematische Verben bezeichnet) fehlt historisch das stammbildende Suffix: Die Endung tritt direkt an die Wurzel. Sie sind im Mittelhochdeutschen einsilbig und haben in der 1.Sg.Ind.Präs. das Suffix -n (vgl. Paul 1998, § 278). Die Verben 'haben' und 'wollen' bilden wegen ihres irregulären Verhaltens eigene Sonderklassen (vgl. Paul 1998, § 277, 288).

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Wortbildungstyp
  • Derivation
  • Komposition
  • Zusammenrückung

Die Wortbildungstypen werden als Eigenschaften der komplexen Wörter aufgefasst, zu denen sie führen. So werden z.B. beide Karten des Wortes Stückchen (Karte 439: Stamm; Karte 440: Diminutivsuffix) hinsichtlich des Wortbildungstyps Derivation bestimmt. Die jeweils vier Karten der Wörter Augenblickchen und Apfelbäumchen werden jeweils in Bezug auf Deklination, Komposition und Derivation bestimmt, weil sich die Domänen der Prozesse überlappen. Der Wortbildungstyp Zusammenrückung wird nur für das Adverb zurück (Karten 344, 345) angenommen. Wie schon aus den Beispielen ersichtlich, werden Diminutivbildungen als derivationelle Prozesse verstanden. Auch das Wort bißchen (Karten 433, 434) wird als deriviertes Substantiv klassifiziert (vgl. dazu Tiefenbach 1987, S. 6).

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Ablautreihe
  • Ia
  • Ib
  • IIa
  • IIb
  • III
  • IIIa
  • IIIb
  • IV
  • V
  • VI
  • VIIa
  • VIIb

Die Zuordnung der Verben zu den Ablautreihen bezieht sich auf die Verhältnisse im Mittelhochdeutschen und folgt Paul (1998, § 244-254, 270-275). Man beachte, dass bei den Präterito-Präsentien neben der Reihe III auch die Reihen I und II nicht in die Untergruppen (a) und (b) differenziert werden. Im Atlas sind aber nur Präterito-Präsentien der Reihen III und VI kartiert. Die Ablautreihe wird als inhärentes Merkmal des Wortstammes aufgefasst und deshalb auch unflektierten Formen (infiniten Verbformen) zugewiesen.

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[schließen] Nicht-substantivischer nominaler Flexionstyp
  • stark (adhärent pronominal)
  • stark (reduziert adhärent pronominal)
  • stark (inhärent pronominal)
  • schwach
  • gemischt (reduziert pronominal)

Im Unterschied zu den Flexionsklassen der Verben und Substantive ist der nicht-substantivische nominale Flexionstyp den Lexemen nicht inhärent, sondern richtet sich nach dem syntaktischen Kontext, in dem die Adjektive, Pronomen und Artikel stehen. Aus diesem Grund wird der Flexionstyp nur für Karten angegeben, bei denen die Kartierung den additiven oder suppletiven Marker einschließt, nicht also für reine Stammkarten. Die Subklassifizierung des starken Flexionstyps wird von Harnisch (1987, S. 63-93) übernommen. Die adhärent pronominale Flexion tritt in den Wenkersätzen bei Adjektiven ohne Artikel und alle (Karte 522) auf. Auch die Kombination von Präposition und Artikel (z.B. in Karte 50, durch's) wird als adhärent pronominale Flexion der Präposition klassifiziert. Die reduziert adhärent pronominale Flexion betrifft die Possessivpronomen, ein (Karte 432) und kein (Karte 438). Inhärente pronominale Flexion zeichnet Artikel und Personalpronomen aus. Dem schwachen Flexionstyp folgen Adjektive nach inhärent pronominal flektiertem Artikel. Der gemischte Flexionstyp (Adjektive nach reduziert pronominal flektiertem Artikel) kommt in den Wenkersätzen nicht vor.

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